von Konrad D. Fromm
   

Heute vor 90 Jahren: "Hitler – Der kriminelle Ausländer, der nicht abgeschoben wurde"

Dass die braunen Leichtmatrosen es bei der Umsetzung ihrer Forderungen in den eigenen Reihen oft nicht ganz so genau nehmen, ist durch zahlreiche aktuelle Vorfälle dokumentiert. Schaut man sich einmal die Geschichte der alten und neuen Nazis im 20. Jahrhundert an, so verwundert dies aber nicht mehr wirklich. Nehmen wir nur den 22. September 1924.

Heute vor 90 Jahren sollte eigentlich ein bis zu jenem Zeitpunkt in seinem Heimatland vor allem wegen Sozialleistungsbetrug, Titelmissbrauch und Wehrdienstverweigerung auffällig gewordener Mann aus Deutschland abgeschoben werden. Der Anlass: ein ordentliches Vorstrafenregister, führende Teilnahme an einem Putschversuch und die Einschätzung der Polizei, es mit einem für den Staat gefährlichen Wiederholungstäter zu tun zu haben. „Guten Heimflug“ würde die NPD solchen Personen heute zynisch wünschen.

Als Spitzel und Propagandaredner hatte sich der kriminelle Ausländer zwischen 1919 und 1920 beim Reichswehrgruppenkommando in Bayern verdient gemacht und anschließend als öffentlicher Redner einer radikalen Partei seinen Lebensunterhalt bestritten, sowie Kontakte zu völkisch-nationalen Kreisen aufgebaut. 1923 war er an einem gewaltsamen Putschversuch beteiligt.

Einflussreiche Gönner in der bayerischen Regierung

Doch die Abschiebung unterblieb leider trotz wiederholten Antrags der bayerischen Landespolizeibehörde und einer rechtskräftigen Verurteilung zu Festungshaft. Nicht zuletzt die Intervention des bayerischen Innenministeriums sowie vor allem des bayerischen Justizministers Franz Gürtner, der sich auch zu späteren Zeitpunkten persönlich für den kriminellen Ausländer einsetzte, verhinderte eine Umsetzung des dringenden Anliegens. Dabei hätte die Ausweisung auf Basis des Republikschutzgesetzes von 1922 dazu führen können, dass die Republik neun Jahre später tatsächlich geschützt worden wäre.

Der geneigte Leser wird spätestens nach der Erwähnung der Vergehen im heimischen Österreich erkannt haben, dass es sich bei dem kriminellen Ausländer um niemand geringeren handelte als: Adolf Hitler. Jenen Mann also, der Krieg und Verderben über mehrere Kontinente brachte und heute noch von den braunen Leichtmatrosen verehrt wird.

NPD? Das wäre wie in Orwells Fabel

Doch was beweist uns das? Dass die NPD Recht hat, wenn sie die Abschiebung von kriminellen Ausländern fordert? Nein. Es zeigt uns, dass die NPD das Recht sich immer gerade so zurechtbiegt, wie sie es für ihre eigenen Zwecke benötigt. Denn für einen wie Hitler würde die NPD von heute, wenn sie denn könnte (und zum Glück kann sie nicht), eine Ausnahme von Recht und Gesetz machen.

Und die Moral von der Geschichte: Ein Land, in dem die NPD das Sagen hätte, wäre ein Land in der Tradition orwellscher Fabel: Manche Tiere wären da einfach gleicher als andere.

Faktencheck

Hitler bezog übrigens von 1908 bis 1913 eine Waisenrente als Student, obwohl er während dieses Zeitraums an keiner Hochschule eingeschrieben war (Sozialbetrug). 1910 wurde ihm polizeilich das Führen des Titels „akademischer Maler“ untersagt (Titelmissbrauch). Der Einziehung zum österreichischen Heer entging er 1913 durch „Stellungsflucht“ nach München in den Königreich Bayern (Wehrdienstverweigerer).  

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